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Sightrunning in Tallinn

erstellt am: 16.12.2016 | von: Martina | Kategorie(n): Allgemein, Estland, Länder, Städte, Stories, Tallinn

Ich kann mich kaum bewegen. Das liegt zum Glück aber nicht an irgendwelchen muskulären Problemen, sondern an meinen vier Klamottenschichten. Okay, ich bin kein Maßstab was das „normale“ Temperatur-Empfinden angeht, trotzdem ist es, sorry, saukalt. Minus 3 Grad sind zwar noch nicht sibirisch, aber der Eiswind hier in Tallinn zaubert daraus mindestens minus 15 Grad. Mindestens. Meinen Morgen-Run lasse ich trotzdem nicht ausfallen, von wegen! Ich trabe an meiner Unterkunft, dem Nordic Hotel Forum los.

Ab in die Altstadt – durchs Viru-Tor.

Ab in die Altstadt – durchs Viru-Tor.

Die ersten Meter führen mich durch das Viru-Tor hinein in die Altstadt, Old Town. Sie gehört seit 1997 zum UNESCO Weltkulturerbe. Hier fühlt man sich allerdings noch um viele weitere Jahre zurückversetzt. Irgendwo ins Mittelalter. Schon allein die vielen alten Bauwerke wie der 38 Meter hohe Turm Kiek in de Kök oder die Alexander-Newski-Kathedrale mit ihren Zwiebeltürmen versprüen old school Charme. Tallinn hat übrigens eine der besterhaltenen Stadtmauer (samt 20 Türmen!) in ganz Europa.

Teile der Stadtmauer

Teile der Stadtmauer

Ich renne, fast durchgängig über Kopfsteinpflaster, in Richtung Freiheitsplatz, dem Vabaduse Väljak. Eine riesengroße Nationalflagge sticht mir sofort ins Auge. Die Esten sind zweifelsfrei stolz auf ihr Land. Ein Land, das mit insgesamt 1,4 Millionen Einwohnern überschaubar ist und sogar weniger Einwohner als meine ehemalige Wahlheimat Hamburg besitzt. Unabhängig ist Estland übrigens erst seit 1991. Eine Änderung erfolgte ebenfalls beim Hauptstadtnamen. Das heutige Tallinn hieß früher Reval.

Am Freiheitsplatz befindet sich ein kleiner Hügel. Ich mache mich auf den Weg nach oben. Ein kleine Steigung, ein paar Stufen, dann ist es auch schon geschafft. Hier ist der Wind noch frostiger, aber immerhin strahlt die Sonne. Ich erinnere mich, als ich im Sommer hier war. Es ist ein großer Kontrast. 19 Stunden ist es zur Midsummer-Zeit hell – jetzt, im Winter, sind es gute sechs Stunden. Sonnenaufgang um 9.07 Uhr, Sonnenuntergang um 15.30 Uhr. Puh. Immer wieder frage ich mich, ob ich so leben könnte. Bestimmt, es ist ja alles eine Gewohnheitssache. Aber wollen…? Für mich ist es jedenfalls ein cooles Erlebnis, im wahrsten Sinne.

Kalt, aber klasse!

Kalt, aber klasse!

Mittlerweile bin ich im Toompea-Park angelangt, er befindet sich direkt unter dem gleichnamigen Schloss. Der Eiswind begleitet mich, aber mit Riesenkapuze lässt es sich aushalten. Mir kommt eine Gruppe Japaner entgegen, die – natürlich – am Fotografieren sind. Touristen findet man ebenso zur kalten Jahreszeit in Tallinn, dennoch sind es weit weniger als im Sommer. Ich denke an den Menschenpulk im Juni in Old Town zurück… Derzeit ist das wirklich viel entspannter.

Insgesamt will ich 10 Kilometer laufen, das reicht für heute. Deshalb trete ich meinen Rückweg an. Fast. Denn ein kleiner Abstecher muss noch sein: Ich will hinauf zum Domberg. Von dort hat man eine fantastische Aussicht über die Stadt, bis hin zum Meer. Zum Hafen. Hier kommen Scharen an Kreuzfahrt-Touristen an. „Früher kamen die Kreuzritter, heute die Kreuzfahrer“, scherzte unser Guide gestern bei einer Stadtführung. Ich muss grinsen. Auch ich kam mal per Schiff in Tallinn an und konnte mir ein Bild davon machen, welche Massen – vor allem im Sommer – täglich hier an Land gehen. Im Winter sind es weit weniger.

Am Hafen

Am Hafen

Aussicht vom Domberg – bei Sonnenaufgang.

Aussicht vom Domberg – bei Sonnenaufgang.

Vom Domberg zelebriere ich im Laufschritt den Ausblick auf die Stadt, die wie keine andere Tradition und Moderne vereint. Normalerweise rolle ich bei so einer Floskel hypergenervt die Augen. Doch für Tallinn passt das einfach perfekt. In der Altstadt laufen Promotoren in Mittelalterkutten herum, überall finden sich Teile der Stadtmauer, zig historische Bauten ragen in den Himmel. Mittendrin genießt man einen hervorragenden, flächendeckenden WLAN-Empfang. Internationale Firmen haben in Tallinn ebenso ihren Firmensitz wie zahlreiche Start-Ups. Zu meinem gestrigen Lunch bekam ich Apfelsaft mit Chiasamen.

Die Schlussetappe meiner Running-Runde führen mich durch Katariina Käik, den Katharinengang. Wer auf Töpfer-, Glas-, Keramikware und Co. steht, verfällt hier garantiert in einen Shopping-Rausch. Mich würde es jetzt eher ins Café Maiasmokk ziehen, es ist das älteste Café in ganz Estland, das bis heute in Betrieb ist. 1864 nahm es seinen Betrieb auf und ist – neben allerlei Köstlichkeiten – für seine Marzipan-Spezialitäten bekannt. Leider Zum Glück hat es jetzt noch nicht auf.

Fast ein bisschen wie auf Zeitreise

Fast ein bisschen wie auf Zeitreise

Flugs mache ich noch einen Abstecher in Richtung Rathaus, vorbei an der ältesten Apotheke Europas und über den Weihnachtsmarkt, der natürlich in der Früh geschlossen hat. Eigentlich unterscheidet ihn rein gar nichts von unseren Märkten in Deutschland. Außer, dass hier Glöggi statt Glühwein getrunken wird.

So, geschafft. Ich kehre zum Hotel zurück und freu mich auf zwei Dinge: eine heiße Dusche und Frühstück. Und das Frühstück ist hier in Tallinn besonders lecker. Hier gibt es nämlich das weltbeste Schwarzbrot. Leeeecker! Ob es an den Cannabis-Samen liegt, die häufig eingearbeitet werden, das weiß ich nicht. Und ob meine Glücksgefühle davon kommen, weiß ich ebenfalls nicht. Fest steht: Sie sind da.

Disclaimer: Ich wurde von VisitTallinn eingeladen, ganz lieben Dank dafür! Es war super – und meine Begeisterung ist von dieser Einladung natürlich unberührt.

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