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Marzipan meets Mittelalter. Toledo Teil 2.

erstellt am: 15.02.2017 | von: Martina | Kategorie(n): Spanien, Toledo, Travel

Die Wettervorhersage ist nicht allzu berauschend. Ab dem Nachmittag liegt die Regenwahrscheinlichkeit bei 75 Prozent. Dunkle Wolken am Himmel unterstreichen die unliebsame Prognose. Im Moment scheint zum Glück noch die Sonne. Und ich zelebriere uneingeschränkt dieses Frühlingsgefühl. Mit mir auch alle anderen. So sind die Open-Air-Plätze in Cafés gut gefüllt, viele machen es sich auf Bänken oder Treppen bequem. Hach … Toledo ist einfach toll.

Doch chillen vertage ich erst einmal und latsche nun zur Kathedrale. Und bin echt perplex. So ein wuchtiges Gotteshaus hätte ich in so einem kleinen Ort gar nicht erwartet. Dass die Catedral de Santa María de la Asunción de Toledo als eines der bedeutendsten gotischen Bauwerke von Spanien gilt, wundert mich jedenfalls nicht mehr. Einst stand an deren Stelle eine Moschee, zwischen 1226 und 1493 wurde dann die fünfschiffige Kirche errichtet. Den Grundstein legte der kastillische König Ferdinand III.

Ein absoluter Blickfang ist der 90 Meter hohe Turm, und im Inneren hängen Gemälde von berühmten Malern, etwa vom Griechen El Greco. Zudem beherbergt die Kathedrale die angeblich größte Monstranz von ganz Spanien.

Beeindruckt schreite ich schließlich wieder von Dannen. Man scheint in Toledo ja sehr fromm zu sein, mutmaße ich. Denn ich treffe auf zig Klöster und Kirchen. Überwiegend durch Zufall. Schließlich flaniere ich weiterhin ohne Orientierung, mal bergauf, mal bergab, und kann das absolut empfehlen. So lässt sich diese zauberhafte Atmosphäre bestens aufsaugen. Ganz bewusst steure ich allerdings die Festung Alcázar an. Selbst ICH finde problemlos den Weg.

Die Festung gilt, neben der Kathedrale, als Wahrzeichen von Toledo. Mit großen Augen bewundere ich das gigantische Bauwerk, deren Ursprünge in der römischen Zeit zu suchen sind. Die Festung war als royales Zuhause gedacht. Weil 1526 die Hauptstadt von Toledo nach Madrid zog, kam es dazu jedoch nicht. Alcázar hatte in seiner Historie verschiedene Verwendungszwecke, zum Beispiel als Infanterieschule. Das Wahnsinns-Gebäude prangt am höchsten Punkt von Toledo und ist heute die Heimat des Militärmuseums.

Als ich mich umdrehe, ist die Aussicht nicht weniger faszinierend. Gegenüberstechen mir das Castillo de San Servando sowoie die Brücke Alcântara, die über den Fluss Tajo führt, ins Auge. Und überhaupt: Der Blick auf das Umland ist ein echter Kracher. Oder „Narrisch guat“, wie die beiden Herren neben mir feststellen. Bayern ist allgegenwärtig.

Anstatt das Gespräch mit meinen Landsmännern zu suchen, breche ich wieder gen Altstadt auf. Nicht zuletzt, weil ich bereits die ersten Regentropfen spüre. Ich hatte doch Petrus um Aufschub gebeten… Half offensichtlich nichts. Gerade noch kann ich mich in den Eingangsbereich eines Restaurants retten, bevor sich ein Platzregen über Toledo ergießt.

Mein Schicksal teile ich mit vier Kerlen, die mir gleich eine Story ins Knie schrauben. Auf Spanisch. Doch bei diesem rasend schnellen Wortschwall verstehe ich leider zum Glück so gut wie gar nichts. Mit ein bisschen si, no, yo no sé nehme ich anstandshalber an dem Palaver teil und flüchte schließlich in Begleitung meines Schirms. Es schüttet immer noch, deshalb stelle ich mich an der Plaza de Zocodover erneut unter. Dank Mc Donald’s gibt’s wenigstens eine Cola light.

Nach insgesamt 38 Minuten Wartezeit habe ich die Schnauze aber voll. Ich bin ja nicht aus Zucker, jawoll, und somit trete ich den Marsch nach unten an. Bevor ich den Busbahnhof aufsuche, bummele ich noch durch einen kleinen Park und ein Stück an einer Hauptstraße entlang. Hier fehlt mir das Flair, ich vermisse die süßen Gassen der Altstadt. Da der Himmel zudem keine Hoffnung auf Sonne erlaubt, mache ich mich vom Acker.

Freudig stelle ich an der Autobusstation fest, dass die Abfahrt nach Madrid in exakt sieben Minuten stattfindet. Die Schlange vor dem Bus gefällt mir hingegen weniger. Einen Sitzplatz ohne Nachbar bekomme ich trotzdem und kann die 45 Minuten gen Großstadt nochmals ausgiebig im Toledorausch schwelgen. Und davon träumen, wie ich mich im Sommer mit kurzer Hose, Top und fünf Kugeln Eis auf die Stufen vor der Kathedrale pflanze. Unter sengender Sonne. Eine narrische Vorstellung.





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5 Kommentare

  1. schrieb am 6. März 2013 um 20:50

    Hallo,

    sehr interessanter Bericht. Schon wieder was neues über eine bisher unbekannte Stadt gelernt und jetzt weiss ich, dass ich bei einem Besuch von Madrid auch einen Abstecher nach Toleda mache. Aber jetzt geht es erst einmal nach Paris.

    LG
    Thomas

    • schrieb am 6. März 2013 um 21:01

      Hallo Thomas, cool, danke dir! Das freut mich ja sehr, dass ich dich inspirieren konnte! Und gaaanz viel Spaß an der Seine, das ist ja auch ein Top-Trip! LG Martina

  2. schrieb am 7. März 2013 um 12:17

    narrisch guter Bericht! Scheint als könnte man mal mit Toledo liebäugeln, im Sommer allerdings und mit den fünf Kugeln Eis wär`s mir persönlich auch lieber!:-)

    • schrieb am 7. März 2013 um 13:10

      Vielen Dank, liebe Nicole! Ja, Toledo ist echt toll! Und auch mal ein bisschen was anderes. In Kombi mit Madrid, einfach sooooo scheeee 🙂 und ich denke auch, dass Sommerwetter und Eismassen noch die Krönung sind! LG Martina

  3. schrieb am 11. April 2015 um 19:33

    Toledo hört sich fantastisch an und steht auf jeden Fall auf meiner Noch-Reiseliste!

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