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Was mich in Johannesburg besonders berührte, begeisterte – und nachhaltig beschäftigt

erstellt am: 19.04.2017 | von: Martina | Kategorie(n): Johannesburg, Südafrika, Travel

Südafrika. Dreimal reiste ich bereits in dieses faszinierende Land. Zweimal nach Kaptstadt, einmal nach Johannesburg. Mein Herz blieb hängen. Hängen in einem Land, das mich mehrdimensional fesselte. Die Menschen, die Tiere, die Landschaft. Der Lifestyle und die Sportverrücktheit in Kaptstadt, der Spirit von Johannesburg, das Gesamtpaket. Was mich in Johannesburg, in „Jozi“, so bewegt hat, lest ihr hier.

Die Menschen
Die Begegnungen mit Menschen zählen auf meinen Reisen stets zu den Höhepunkten. Es gibt nichts spannenderes, als den Lifestyle, die Einstellungen, Emotionen von Leuten außerhalb der Heimat kennen zu lernen. Oft beschert mir das einen neuen Blickwinkel, lässt mich Meinungen überdenken oder meine Lebensumstände mehr wertschätzen. In und Johannesburg begeisterten mich die Einheimischen ganz besonders. In Gesprächen kommt man schnell auf das Thema Vergangenheit. Schön war sie nicht, mitnichten. Geprägt von Apartheid, Diskriminierung, Gewalt und Kriminalität. „Wir sind noch lange nicht am Ziel“, lautet die einhellige Meinung. Gerade die hohe Arbeitslosigkeit stellt ein gravierendes Problem dar. Die Quote liegt bei 29 Prozent, in den Townships von Johannesburg teils bei 60 bis 70 Prozent.

Doch die Joburger glauben an ihr Land, ihre Stadt. Den Wandel. Um sich ein paar Rand zu verdienen, beweisen die Joburger Kreativität. Etwa Haareschneiden am Straßenrand, der Strom für die Gerätschaften wird aus Autobatterien bezogen. Auch ich sichtete ein paar mobile Friseurstationen. „Man soll die Vergangenheit nicht vergessen. Aber wir feiern lieber, dass wir heute ein freies Land sind“, heißt es aus der Bevölkerung. Sogar eine Pflanze, der Büffeldornbusch, verkörpert diese Einstellung. An den Ästen befinden sich kleine Dornen, mit einem Haken nach hinten. So zeigen die Dornen in die entgegengesetzte Richtung wie der Ast, à la „nach vorne blicken, ohne die Vergangenheit zu vergessen“. Ich finde jedenfalls, Jozi, ja ganz Südafrika darf und soll stolz sein. Immerhin wurde ein großes Ziel, ein Meilenstein erreicht. Diskriminierung, sagte man mir, existiere nicht mehr. Egal welche Kultur, egal welche Hautfarbe, alle werden gleich behandelt.

Street Art in Johannesburg
Bei meinem Bummel durch Johannesburg sah ich sie allerorts: die bunten Kunstwerke, die mich jedes Mal aufs Neue verzückten. Street Art, ich liebe es! Immer wieder bin ich angetan, welch großes Talent in den Akteueren steckt. Ich besitze ebenfalls eine Staffelei, male hin und wieder ein Bildchen. Sonnen ganz besonders gerne. Doch meine Meisterwerke erinnern eher an Kindergartenzeiten. Eine nennenswerte Verbesserung kann ich bei meiner Malerei nicht erkennen. Meine Bewunderung ist diesen Street Art Artisten also gewiss. Zudem sehe ich es als große Bereicherung für eine Stadt. Die farbfrohen Meisterwerke, und damit meine ich nicht wild dahin gekitzeltes Graffiti unter irgendwelchen Brücken, verschönern eine Stadt ungemein. Verleihen ihr eine besondere Note. Dieser Meinung war offensichtlich auch die Stadtverwaltung von Johannesburg. Von oberster Stelle bekamen einige Street Art Künstler den Auftrag, ihre Passion an diversen Plätzen und Bauwerken auszuleben.

Liliesleaf und die Begegnung mit Denis Goldberg
Per Bus ging es von Johannesburg zum Vorort Rivonia, nach Liliesleaf. Es sind rund 30 Minuten Fahrtzeit. Auf den ersten Blick sieht es dort ganz idyllisch aus. Ein kleines Ressort, viel Grün, ein paar Jacaranda-Bäume sorgen für wunderhübsche Farbtupfer. Ich vergöttere diese Bäume. Eigentlich ein Ort zum Wohlfühlen. In Liliesleaf nahm ich an einer interaktiven Führung teil, wandelte quasi auf den Spuren von Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela und weiteren Freiheitskämpfern.

In ihrem Kampf gegen das Apartheids-Regime sammelten sich hier die Mitglieder des Umkhonto we Sizwe („Speer der Nation“, Kurzform MK). Es war der militärische Arm des verbotenen African National Congress (ANC). Zwei Jahre lang, von 1961 bis 1963 hielten sie dort ihre geheimen Treffen ab. Planten die Operation Mayibuye, den bewaffneten Widerstand gegen Diskriminierung, Unterdrückung und Menschenverachtung. Um keinen Verdacht zu erwecken, zog gleichzeitig eine weiße Vorzeigefamilie mit ein. Der Künstler Arthur Goldreich war es, dem die Farm Liliesleaf offiziell gehörte. Nelson Mandela, unter dem Namen David, arbeitete dort als Gärtner. Zum Schein.

Der Plan ging nicht auf. Am 11. Juli 1963 stürmten Polizisten das ANC-Quartier, nahmen die Männer fest. Nelson Mandela saß zu dieser Zeit eine Haftstrafe auf Robben Island ab. Beim Rivonia Trial wurden er und die zehn weiteren MK-Mitglieder verurteilt, zu lebenslangen Haftstrafen, sie saßen zwischen 22 und 27 Jahren im Gefängnis. Unter ihnen, als einzig Weißer, befand sich auch Denis Goldberg. Und er war es, neben dem ich in Liliesleaf zu Mittag speisen durfte. Ein Zeitzeuge, eine unglaubliche Persönlichkeit. Er erzählte von seinen Erlebnisse, aus seinem Leben. Sein Deutsch ist nahezu perfekt. Noch nie aß ich mit solch zittrigen Fingern einen Salat.

Constitution Hill und die Begegnung mit Prema Naidoo
Es war bewegend und beängstigend zugleich. Der Besuch der Constitution Hill war nicht jenes Erlebnis, das man mit einem Lächeln im Gesicht mitnimmt. Vielmehr drückt die Stimmung ziemlich auf’s Gemüt. Denn Constitution Hill diente einst als Gefängnis, das Old Fort Gefängnis, in dem auch Nelson Mandela und Mahatma Gandhi inhaftiert waren. Weil sie für die Freiheit kämpften. Allein diese Tatsache verleiht mir Gänsehaut. Von der unangenehmen Sorte. Doch wer sich für die Geschichte Südafrikas interessiert, darf einen Besuch der Constitution Hill nicht auslassen.

Meine Führung begleitet Prema Naidoo. Ein ehemaliger politischer Häftling. Fast seine ganze Familie teilt dieses Schicksal. Doch von Verbitterung oder Rachsucht keine Spur. Er spricht sachlich, immer wieder lächelt er. Obwohl seine Geschichten größtenteils sehr traurig sind. Unmenschliche Zustände herrschten einst im Old Fort Gefängnis Als Prema erzählt, wie er sich vor Haftantritt ausziehen musste, gedemütigt wurde, stockt mir der Atem. Genauso als ich sehe und höre, wie sich die Häftling ernähren mussten. Es erinnert fast an einen Futtertrog. Schwarze bekommen ein anderes Essen als Weiße. Ein minderwertigeres. Fassungslosigkeit. Wie können Menschen so etwas aushalten? Über Jahre? Mit dem Wissen, dass man kein Verbrecher ist. Ich zolle höchsten Respekt. Prema hadert nicht. „Wir dürfen die Vergangenheit nicht vergessen. Aber wir müssen sie loslassen, nach vorne schauen“, sagt er. Sätze, die ich mehrfach in Südafrika hörte. Sätze, die ich maßlos bewundere.

Wild Life
Ich bin ein Tierliebhaber, so was von! Bereits als Kind nervte ich meine Mama ständig mit einem neuen Wunsch. Wellensittich, Katze, Hamster. Am liebsten ein eigenes Pferd. Auch heute würde mir ein haariger Mitbewohner gefallen. Da ich viel unterwegs bin, macht das jedoch keinen Sinn. Umso begeisterter war ich von der Armada an herzallerliebsten Viechern in Südafrika. Insbesondere meine Begegnung mit den Elefanten. Sie zu streicheln, zu füttern, einfach zu berühren hat mich emotional fast umgehauen. Es war ein Lebenstraum – ja wirklich – einem Elefanten mal so nahe zu kommen. Aber genauso faszinierten mich die Zebras, Giraffen, Nashörner, Hippos, schlafenden Löwen&Co. im Pilanesberg National Park. Oder der Affe, der mich in Sun City beim Joggen überholte. Diese Erlebnisse werde ich zum einen niemals vergessen, zum anderen möchte ich sie unbedingt wiederholen. So steht auf meiner Reise-Wunschliste der Krüger Park oder KwaZulu-Natal Naturparks ganz weit oben.

Disclaimer: Ich bedanke mich ganz herzlich bei Thomas Cook für die Einladung zu dieser grandiosen Reise. Meine Meinung, Ansicht sowie Begeisterung sind davon unberührt.





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6 Kommentare

  1. schrieb am 20. November 2013 um 14:36

    Sehr schön geschrieben und eine große Würdigung für das Land und die Menschen …

    • schrieb am 25. November 2013 um 11:30

      Vielen lieben Dank, meine geliebte Mama! Ja, Land und Leute haben diese Würdigung auch absolut verdient!! Bussi Martina

  2. schrieb am 25. November 2013 um 22:26

    Großartiges Land. Ich hatte selbst auch schon das Glück, es bereisen zu dürfen!!

    • schrieb am 27. November 2013 um 18:28

      Ja, super schön! Und ich fühle mich auch sehr glücklich, dass ich Südafrika kennen lernen durfte. Gerne bald noch viel mehr 🙂 Wo warst du genau? LG Martina

  3. schrieb am 30. Januar 2014 um 17:23

    Sehr schöner Artikel, leider habe ich es bisher noch nicht nach Südafrika geschafft, es steht aber mit ganz oben auf meiner Reisewunschliste.

    • schrieb am 31. Januar 2014 um 00:32

      Vielen lieben Dank, Laura! Und Südafrika kann ich dir seeehr empfehlen – ich möchte dieses Jahr unbedingt Kapstadt kennenlernen! LG Martina

Ein Trackback

  1. […] noch nicht auf dem afrikanischen Kontinent. Doch Martina von Talk Around the World hat gerade Südafrika besucht – ihre Geschichten und Bilder waren Leckerbissen. Ich würde gerne die “Big […]

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